20.01.2008 22:33

"Kleine Kirmes" in Fraulautern

Seit dem Ende der franz. Revolution feiert man in Fraulautern das Fest der hl. Apollonia (9. Februar), die "Kleine Kirmes".

undatierte alte Aufnahme

Innenansicht vor Zerstörung

Zerstörung 1944

Es war um 1930, es war die Zeit, in der es morgens schon früher heller wurde und man auf das Frühjahr wartete.

Bevor es wärmer wurde, schlachtete man noch ein Schwein. Sauerkraut war noch reichlich im Fass und reichlich Kartoffeln in der Miete (flache Grube zum Aufbewahren von Kartoffeln, Rüben, Obst). So wurde der Festtag der hl. Apollonia gebührend gefeiert. Die erwachsenen Kinder und die Geschwister, die in den Nachbardörfern verheiratet waren, wurden gerufen. Das Fest begann mit dem Besuch des Hochamtes. Nach dem Mittagessen sprach man über die Feld- und Gartenarbeit, über den Tausch von Setzkartoffeln und Samen und über die gegenseitige Hilfe.

Zum Nachmittagskaffee gab es Streuselkuchen und Fastnachtsküchelchen, und danach wurde es lustig. Begebenheiten aus der Familie wurden erzählt, das Neuste aus dem Dorf, zwischendurch trank man auch einmal ein Schnäpschen.

Die jüngeren Leute freuten sich auf den Abend, auf den Turnerball. Der war das Ereignis des Jahres. Wem es irgendwie möglich war, verboozte sich und ging zum Tanz. Vorher stärkte man sich noch mit einer Portion Schweinskäs. Auch während des Krieges trafen sich noch die Familien, soweit es möglich war. Der Kirchgang war selbstverständlich. Als sich das Leben um 1948 wieder normalisierte, ging man am Morgen ins Hochamt. Nachmittags traf sich die Familie zum Kaffeetrinken und ging mit den Kleinen auf den Markt, wo ein bis zwei Buden und ein einfaches Ritterspiel oder Karussell aufgebaut waren. Mancher Junge bekam hier seine erste Stoppenschieß. Die ?Kleine Kirmes? in dieser Form wurde bis etwa Mitte der 50er Jahre gefeiert. Bis nach 1900 wurde die Kirmes auch mit einem Kram- und Viehmarkt gefeiert.

Zum historischen Hintergrund:
Im Jahr 1540 wurde die spätgotische Apollonia-Kapelle (heutige Friedhofskapelle) als Pfarrkirche konsekriert und gehört zu den ältesten Gebäuden des Ortes. Die Geschichte der Kapelle soll aber noch weiter zurückreichen. Im Jahr 1600 soll der Turm hinzugefügt worden sein. Dieser steht heute noch. Links neben dem Eingang zum Friedhof war das Pfarrhaus. Daneben stand das Schulhaus.

Viele Jahre hieß die Pfarrei ?Kirchofen?. Die kleine Kirche fasste nur 250 Gläubige. Fraulautern zählte 1816 bereits 733 Einwohner. Im Jahre 1739 übernimmt die Klosterkirche die Funktion der Pfarrkirche, 1895 wird die Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit konsekriert.

Am 1. Dezember 1944 wurden durch Luftangriffe, neben großen Teilen Fraulauterns, auch die Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit und die Apollonia-Kapelle zerstört und der Turm stark beschädigt. Nur die Statue der Hl. Apollonia wurde verschont.

1953/54 wurde die Apollonia-Kapelle wieder aufgebaut und ist heute noch Sinnbild des Alten Friedhofs.

Unter dem Kreuz des Kirchturmes der Kapelle haben Geistliche, die in Fraulautern bis zu ihrem Tod gewirkt haben, ihre letzte Ruhestätte gefunden oder ihrer wird hier auf einer Gedenktafel gedacht.

(Danke an Ottilie Schmidt und andere Mitglieder unserer Pfarrei für die Informationen.) - Norbert Zech


Von: IFBV - N. Zech